

Bilderrahmen Meural Leonora: Ist das Kunst oder kann das weg?
Ist ein digitaler Bilderrahmen mehr als nur ein hübscher Bildschirm? Im Fall des Meural Leonora lautet die Antwort ganz klar ja. Er hat allerdings auch seine Schwächen.
Bilderrahmen haben durchaus ihre Berechtigung, auch wenn sie ein Schattendasein führen. Auf meiner Festplatte habe ich etwa 25’000 Fotos. Die meisten davon schaue ich nie an, und wenn, dann nur kurz und auf einem relativ kleinen Bildschirm. Das ist eigentlich schade. Überspitzt formuliert: Schöne Erinnerungen und schöne Bilder ersaufen in einem Meer aus Spam. Ein Bilderrahmen ist ein gutes Mittel, um der Überflutung entgegenzuwirken, bewusster auszuwählen und bewusster hinzuschauen. Besonders, wenn er so gross ist wie dieser hier.

Erster Eindruck: Wow!
Bevor der Test beginnt, bin ich skeptisch. Der Preis ist ganz schön hoch, verglichen mit ähnlich grossen, «normalen» Bildschirmen. Und mir persönlich wäre das 3:2-Format lieber als 16:9. Fürs Hochformat sowieso.
Als ich den Rahmen sehe, bin ich positiv überrascht. Das impressionistische Gemälde, das er gerade anzeigt, wirkt so echt, dass ich zuerst nicht glaube, dass es sich um einen gewöhnlichen LCD handelt. Ist aber so. Ein 27-Zoll-Bildschirm, entspiegelt und mit IPS-Technologie, damit auch von der Seite her was zu sehen ist. Also nichts, was ein gewöhnlicher PC-Bildschirm heutzutage nicht auch könnte.
Weil ich das doch recht schwere und klobige Ding nicht nach Hause nehmen will, stelle ich es im Büro auf. Für diesen kurzen Test habe ich auf eine Wandmontage verzichtet. Aber so viel kann ich sagen: Der Bilderrahmen hat auf der Rückseite zwei um 90 Grad versetzte Löcher zum Aufhängen, so dass es kein Problem sein sollte, ihn vom Quer- ins Hochformat oder umgekehrt umzuhängen.

Die Reaktionen meiner Büronachbarn sind gleich wie meine. Alle finden, dass die Bilder toll wirken. Selbst wenn es Fotos sind und keine Gemälde. Selbst wenn es meine Fotos sind.
Wie ist das möglich, wenn es sich nur um einen LCD handelt? Es muss am Rahmen liegen. Ich weiss, dass das leicht esoterisch klingt, aber ich habe keine andere Erklärung. Ich stelle sogar den Rahmen extra noch auf das Pult, um sicherzugehen, dass es nicht an der Umgebung (vor weisser Wand) liegt. Daran liegts tatsächlich nicht.
Ein weiterer Grund könnte sein, dass du den PC-Bildschirm meist aus recht kurzer Distanz betrachtest. Beim Bilderrahmen nimmst du etwas mehr Abstand. Dann stört es weniger, dass der kein 4K kann. Bei sehr grosser Distanz siehst du eh keinen Unterschied mehr.
Beleuchtung und Stromverbrauch
Sicher spielt auch mit, dass die Hintergrundbeleuchtung im Vergleich zu einem PC-Bildschirm recht dezent ist. Die Helligkeit passt sich der Umgebung automatisch an, allerdings nur grob. Wenn es sehr schummrig ist, leuchtet der Bildschirm trotzdem – dann wirkt das Bild natürlich nicht mehr wie auf echtem Papier oder gar auf Leinwand. Mit der App lässt sich die Helligkeit genauer steuern als durch die Automatik.
Im Betrieb habe ich einen Stromverbrauch von 16 Watt gemessen, wenn die Umgebung eher dunkel ist. Bei viel Licht liegt er zwischen 23 und 26 Watt. Ausgeschaltet (Standby) braucht das Gerät 1 bis 2 Watt.
Wie kommen die Bilder auf den Rahmen?
Eine Besonderheit des Meural-Bilderrahmens ist, dass du Bilder abonnieren kannst. Für 39.95 Dollar pro Jahr oder 4.95 Dollar pro Monat hast du Zugriff auf «Zigtausende» Bilder einer (so weit ich das beurteilen kann) ziemlich hochwertigen Kunstsammlung, die sowohl Gemälde als auch Fotografien umfasst. Diese sind auf das 16:9-Format des Rahmens abgestimmt, und es gibt fürs Hoch- und Querformat gleichermassen genug Material. Einige wenige Bilder bekommst du auch ohne dieses Abo auf deinen Rahmen.
Auf der Webseite my.meural.com kannst du zudem eigene Bilder hochladen und Playlists zusammenstellen, die dann auf den Rahmen übertragen werden. Du kannst sogar angeben, zu welcher Uhrzeit welche Bilder angezeigt werden sollen sowie wann sich der Bildschirm jeweils ein- und ausschalten soll.
Auch via Meural-App ist es möglich, eigene Bilder auf den Rahmen zu schaufeln. Und zu guter Letzt hat das Gerät auf der Rückseite einen microSD-Kartenslot, der Bilder einliest. Dies funktioniert aber nur, wenn die Bilder in einem Ordner liegen, der «meural1» heisst. Dieser Ordner bildet eine Playlist. Für eine weitere Playlist erstellst du einen Ordner namens «meural2». Schlecht ist, dass der Bilderrahmen nur Ordner mit ganz bestimmten Namen einliest. Noch schlechter ist, dass das nicht in der Bedienanleitung steht, sondern nur auf einer Support-Seite, die man erst mal finden muss. Vollends absurd wird es, wenn Meural den Benutzern noch vorschreibt, wie gross ein Thumbnail sein muss, damit es überhaupt angezeigt wird: 120 x 68 Pixel.

Gestensteuerung
Egal, ob du den Rahmen im Hoch- oder Querformat aufhängst: Am unteren Rand in der Mitte befindet sich ein Sensor, der auf Handgesten reagiert. Damit kannst du durch die Menüstruktur auf dem Bildschirm navigieren.
Der Sensor reagiert nur, wenn die Hand höchstens fünf Zentimeter entfernt ist – so ist ausgeschlossen, dass die Menüs aus Versehen aufgerufen werden. Ausserdem hat die Gestensteuerung gegenüber einem Touchscreen natürlich den Vorteil, dass sich keine Fingerabdrücke auf dem Bildschirm ansammeln.
Allerdings reagiert der Sensor eher träge und manchmal gar nicht. Die Navigation durch Menüstrukturen ist so nicht gerade angenehm. Ich benütze sie so wenig wie möglich.
Die App
Das Einrichten der App war bei mir unfassbar kompliziert und mühsam. Allerdings ist mein Fall alles andere als typisch. Im Normalfall funktioniert es vermutlich problemlos. Nur habe ich das nicht nachprüfen können.
Damit du die App benützen kannst, musst du dich zuerst mit deiner E-Mail-Adresse registrieren. Ausserdem müssen dein Smartphone und der Bilderrahmen mit dem gleichen WLAN verbunden sein. Zuhause ist das der Normalfall und kein Problem. Hier bei uns im Büro klappte das aber nicht, weil unser Büronetzwerk eine Bestätigung über die Webseite braucht, und das kann der Bilderrahmen nicht. Mit einem weiteren Phone, das als Hotspot diente, schaffte ich es nach einigen Versuchen.
Das andere Problem war, dass mein Bilderrahmen bereits auf den Kollegen registriert war, der ihn zuvor kurz ausprobiert hatte. Er musste ihn bei sich zuerst «entregistrieren». Auch das dürfte aber für dich kaum relevant sein – ausser vielleicht, wenn du dieses Produkt gebraucht kaufst.

Über die App (iOS und Android) lässt sich der Bilderrahmen bequemer steuern als über die zuweilen etwas fummelige Gestensteuerung. Sie bietet auch mehr Möglichkeiten. Zum Beispiel regelst du die Helligkeit bequem über einen Schiebregler. Es gibt einen Button zum Ein- und Ausschalten des Bildschirms, bei dem der Rahmen aber weiterläuft, sprich, er muss nicht neu gestartet werden. Vor allem aber ist die Bildauswahl einfacher und du kannst auch eigene Fotos direkt aufnehmen und auf den Rahmen beamen.
Fazit
Wenn ich meinen persönlichen Frust beim Aufsetzen der App mal beiseite lasse, weil er für dich keine Rolle spielt, dann ist mein Fazit insgesamt positiv. Ganz klar ist dieser Bilderrahmen mehr als nur ein PC-Bildschirm mit einem netten Rähmchen drum herum. Mit dem Kunstabo und der Steuerung via App und Webseite bietet Meural etwas Einzigartiges. Und das wichtigste: Die Bilder sehen toll aus, obwohl es sich nicht um einen 4K-Screen handelt.
Aber auch nach dem Einrichten ist die Freude nicht ganz ungetrübt. Die Gestensteuerung kann Ungeduldige in den Wahnsinn treiben. Die Steuerung via App und Webseite ist viel praktischer, funktioniert aber nur im WLAN. Die Restriktionen bei der microSD-Karte erinnern an das letzte Jahrtausend. Und die Bedienanleitung hilft dir nicht weiter, wenn du ein Problem hast, da sie viel zu knapp gehalten ist.
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Durch Interesse an IT und Schreiben bin ich schon früh (2000) im Tech-Journalismus gelandet. Mich interessiert, wie man Technik benutzen kann, ohne selbst benutzt zu werden. Meine Freizeit ver(sch)wende ich am liebsten fürs Musikmachen, wo ich mässiges Talent mit übermässiger Begeisterung kompensiere.