Produkttest

Marshall Tufton: Grossartig, braucht aber Platz

David Lee
30.7.2019

Ist ja toll, wenn ein mobiler Bluetooth Speaker über einen kräftigen Bass verfügt. Aber man kann es auch übertreiben. Der Marshall Tufton hat in gewissen Umgebungen zu viel Bass. In anderen dagegen brilliert er.

Von den drei neuen portablen Marshall-Speakern ist der Tufton mit Abstand der potenteste. Der Bluetooth-Brocken ist mit knapp 5 Kilogramm fast doppelt so schwer wie der Marshall Killburn II, der Kollege Jan Johannsen mit dem Stockwell II getestet hat. Er beinhaltet auf der Frontseite je einen Hoch-, Mittel- und Tieftöner und auf der Rückseite einen weiteren Lautsprecher für mittlere Frequenzen.

Design und Bedienung: Wie immer top

Als Gitarrist habe ich eine Schwäche für das Design der Marshall Speaker. Doch die Bauform dürfte auch Schlagzeuger, Dudelsackspieler und Falschunterderduschesinger begeistern, denn sie ist mehr als nur ein Retro-Gag. Wie alle Marshall Speaker wirkt auch der Tufton solide verarbeitet und ist sehr simpel zu bedienen. Regler für Bässe und Höhen sind nicht nur bei Gitarrenverstärkern praktisch. Dennoch haben das die wenigsten Bluetooth-Speaker.

Richtige, massive Drehregler machen einfach mehr Laune als das nervige Tastengefummel vieler Konkurrenzprodukte. Insbesondere, wenn die Regler so solid verarbeitet sind wie hier. Wie sich Audio-Knöpfe anfühlen, ist ja bekanntlich etwas vom Wichtigsten im Leben – für gewisse Leute jedenfalls.

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Das simple Design bedeutet aber, dass der Marshall Tufton auch von den Funktionen her einfach gestrickt ist. Es ist nicht möglich, am Gerät die Musik zu pausieren oder zum nächsten Stück zu springen. Immerhin eine smarte Funktion hat die Box: Dank Bluetooth 5.0 kannst du zwei Smartphones oder sonstige Quellen gleichzeitig verbinden und nahtlos zwischen ihnen wechseln.

Der Speaker schaltet sich automatisch aus, wenn er einige Zeit nicht mit Musik versorgt wird. Hingegen schaltet er sich nicht selbst ein, wenn du wieder auf Play drückst.

Akku: Schnell geladen, hält lange

Der Tufton wird mit einem 220V-Kabel ans Stromnetz angeschlossen. Das Netzteil befindet sich also im Gehäuse. Voll aufgeladen ist der Akku laut Datenblatt in 2.5 Stunden. Das dürfte in etwa hinkommen. Damit läuft der Tufton laut Hersteller mindestens 20 Stunden. Auch das ist wohl nicht zu viel versprochen. Ich habe nur wenige Stunden gehört und die Akkuanzeige war immer noch fast voll.

Neben den Drehreglern befindet sich eine gut sichtbare Akkuanzeige.
Neben den Drehreglern befindet sich eine gut sichtbare Akkuanzeige.

Sound: Die Sache mit dem Bass

Obwohl die Box gleich zwei Mitteltöner hat, sind es ausgerechnet diese Frequenzen, die ich beim ersten Probehören zu wenig heraushöre. Dabei wären dort nicht ganz unwichtige Dinge wie Gesang oder Klavier zu Hause. Diese Elemente klingen jedoch seltsam erstickt.

Schnell wird klar, woran das liegt. Der Bass ist dermassen dominant, dass er bei manchen Stücken die mittleren Frequenzen überdeckt. Bei Musikstücken ohne Bass – etwa, wenn nur Gesang und Gitarre zu hören sind – klingen die Mitten dagegen sehr schön und klar.

Die Rückseite hat einen weiteren Lautsprecher. Dieser erzeugt einen Stereo-Effekt.
Die Rückseite hat einen weiteren Lautsprecher. Dieser erzeugt einen Stereo-Effekt.

Obwohl das Gerät einen extra Bassregler hat, bringe ich den Bass nicht soweit runter, dass ein ausgewogenes Klangbild entsteht. Das stört mich nun wirklich. «Netter Subwoofer», denke ich in diesem Moment.

Damit tue ich dem Gerät allerdings unrecht, wie sich im weiteren Verlauf des Tests herausstellt. Denn es kommt sehr auf die Umgebung an. Ich habe mir den Speaker zuerst in meiner Wohnung angehört. Also in mehr oder weniger kleinen Räumen mit wenig schallschluckenden Elementen. Dafür ist der Tufton nicht geeignet. Er braucht Platz.

Platz genug hat es unter freiem Himmel, aber ich hatte jetzt gerade keine Lust, wildfremden Menschen auf die Nerven zu gehen. Stattdessen testete ich in unserem Videostudio. Das ist ein grosser Raum, wo sich der Schall recht frei ausbreiten kann. Hier hört sich das plötzlich ganz anders an. Der Sound des Marshall Tufton gefällt mir im Studio sogar besser als derjenige des JBL Extreme 2, von dem ich sehr viel halte. Bei mir in der Wohnung war es umgekehrt.

Soundvergleich: In den eigenen vier Wänden ziehe ich den JBL Extreme 2 vor, im Studio den Marshall Tufton
Soundvergleich: In den eigenen vier Wänden ziehe ich den JBL Extreme 2 vor, im Studio den Marshall Tufton

Fazit: Draussen zuhause

Der Marshall Tufton ist ein grossartiges Gerät. Tolles Design, solid, einfach zu bedienen, schnell geladen, Akku hält lange, und im Prinzip liefert er auch einen exzellenten Sound.

Die Sache hat aber einen Haken. Der Bass des Tufton ist von Haus aus extrem dominant. Das ist in manchen Fällen genau richtig, aber längst nicht immer. Welches die richtige Menge an Bass ist, variiert sehr stark je nach Umgebung. Der Speaker hat zwar einen Bassregler, aber dieser lässt sich für viele Situationen zu wenig weit zurückschrauben. Für den Einsatz in kleinen Räumen taugt das Gerät nicht viel.

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