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Hygiene-Experte verrät: So oft solltest du deine Kleider wirklich waschen
Darf ich Hosen eine Woche lang am Stück tragen? Ersetzt der Dampfglätter die Wäsche? Markus Egert erklärt, worauf es bei der Hygiene von Kleidung ankommt. Er ist Professor für Mikrobiologie an der Hochschule Furtwangen, Experte für Haushaltshygiene und Autor des Buchs «Ein Keim kommt selten allein».
Manche Menschen schwören darauf, Jeans niemals zu waschen. Finden Sie das eklig?
Prof. Dr. Markus Egert: Das hängt davon ab, was die Leute mit ihren Jeans so anstellen. Empfehlen würde ich es jedenfalls nicht. Auch wenn mikrobiologisch gesehen vermutlich kein Gesundheitsrisiko besteht, wird es irgendwann unansehnlich und muffig.
Gibt es eine grobe Faustregel, wie oft ich Kleidungsstücke tragen kann, bis ich sie wieder waschen muss?
In Laboren, Krankenhäusern oder etwa im Lebensmittelbereich gibt es klare Vorschriften. Bei Alltagskleidung hingegen lässt sich das nicht verallgemeinern. Wir waschen unsere Kleidung in erster Linie, um Gerüche und Flecken zu beseitigen. Wie schnell die auftreten, ist von Person zu Person verschieden.
Auf welche Faktoren kommt es an?
Zum Beispiel, was für eine berufliche Tätigkeit ich ausübe. Im Büro wird meine Kleidung weniger beansprucht als in der Metzgerei. Ausserdem wie stark ich schwitze, wie ausgeprägt mein persönliches Hygieneempfinden ist und um welches Kleidungsstück es sich handelt.
Welche Kleidungsstücke gehören grundsätzlich nach einmal Tragen in die Wäsche?
Sportbekleidung, Unterwäsche, Socken und alles, was direkt am Körper getragen wird und mit Stellen in Kontakt kommt, an denen wir stärker schwitzen.
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Quelle: Ivan Babydov via Pexels
Bei welchen Kleidungsstücken kann ich es lockerer nehmen?
Da wir es schon von Jeans hatten: Ich ziehe meine durchaus auch mal eine Woche durchgängig an, ohne mich um Keime zu sorgen. Wenn kein besonderer Grund wie etwa Gerüche oder sichtbare Verschmutzungen besteht, reicht es für gewöhnlich, Oberbekleidung wie Hosen und Pullover wöchentlich zu reinigen.
Auch wenn ich damit in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war?
Natürlich kommt die Kleidung dabei mit Mikroorganismen in Kontakt. Für gesunde Menschen stellt das in der Regel aber kein direktes Infektionsrisiko dar. Im medizinischen Bereich ist das natürlich was anderes. Ich persönlich kenne aber keine gesunde Person, die sich über die eigene Kleidung angesteckt hat. Da ist es wichtiger, sich die Hände gewissenhaft zu waschen.
Wer muss abgesehen vom Beruf stärker auf saubere Kleidung achten?
Menschen mit Hautkrankheiten wie Neurodermitis oder Schuppenflechte, Allergien und offenen Wunden – etwa durch Diabetes. Auch bei Fusspilz und anderen Infektionen ist Sorgfalt geboten.
Kleidungsstücke wie Mäntel sehen eine Waschtrommel selten von innen. Ist es okay, sie nur alle zwei Jahre in die Reinigung zu bringen?
Hygienisch gesehen ist das nicht bedenklich. Handelt es sich um einen Wollmantel, sind eher Motten ein Problem. Es ist deshalb sinnvoll, den Mantel nach der Wintersaison, bevor er länger im Schrank verstaut wird, zu waschen oder reinigen zu lassen.
Kleidungsstücke aus Wolle werden tendenziell seltener gewaschen. Ein häufiges Argument lautet, das Material sei von Natur aus antibakteriell.
Das ersetzt jedoch keinen Waschgang. Holz hat auch antimikrobielle Eigenschaften, trotzdem wasche ich mein Schneidebrett nach dem Gebrauch. Auch wenn die Socken also aus Wolle sind, sollte ich sie nicht eine Woche am Stück tragen.
Es gibt ja so einige Tricks, um das Waschen hinauszuzögern. Zum Beispiel Kleidung über mehrere Stunden in den Tiefgefrierer zu legen.
Das ist Quatsch. Nur weil etwas bei minus 20 Grad gelagert wird, heisst das noch lange nicht, dass es danach hygienisch sauber ist. Zum Vergleich: Tiefgefrorenes Hackfleisch ist genauso keimbelastet wie frisch gekauftes Hackfleisch. Ein paar Keime sterben bei der Temperatur zwar ab, wachsen aber schnell wieder nach. Kälte bringt nie so gute hygienische Effekte wie Hitze.
Na, dann vielleicht doch lieber zum Dampfglätter greifen? Steamen soll ja angeblich 99,9 Prozent der Keime abtöten.
Im Krankenhaus wird Kleidung tatsächlich mit Dampf sterilisiert. Die haben dort aber vermutlich effizientere Modelle als so gewöhnliche Blubber-Dinger für zu Hause. Ein solcher Dampfglätter ersetzt weder eine Wäsche noch eine professionelle Reinigung, ist zum Auffrischen aber sicher keine schlechte Option.
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Quelle: Stephanie Vinzens
Wie sieht es mit desinfizierenden Textilsprays aus?
Sie übertünchen in erster Linie schlechte Gerüche. Als schnelle Notlösung okay, jedoch sind diese Sprays teuer und belasten ziemlich sicher die Umwelt. Ich empfehle sie nicht.
Dann wäre da noch das Auslüften in der Sonne.
Sonne und frische Luft sind super. Die UV-Strahlung wirkt antimikrobiell, beseitigt schlechte Gerüche und kostet nichts. Ausserdem lässt sie Sachen schnell trocknen – das A und O in der Wäschehygiene.
Ich kann meine Jeans also in die Sonne hängen, statt sie zu waschen?
Nein – höchstens das Waschen hinauszögern. So eine Waschmaschine reinigt ja auf verschiedene Arten. Zum einen wäre da die Chemie, also das Waschmittel, die Temperatur, die Mechanik respektive das Durchkneten und die Zeit – ein durchschnittliches Waschprogramm dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Dieses Zusammenspiel kann keine der oben genannten Methoden ersetzen.
Kann ich meine Kleider auch zu viel waschen?
Auf jeden Fall. Zu häufiges Waschen kann sowohl den Textilien als auch der Umwelt schaden. Oberbekleidung deshalb lieber auch mal zwei, drei Tage länger tragen.
Haben Sie den Eindruck, die Leute waschen ihre Kleidung heutzutage zu häufig?
Ich habe keine Daten dazu, aber tendenziell vermutlich schon. Gleichzeitig werden Textilien immer empfindlicher. Das ist hygienisch gesehen nicht gut.
Inwiefern?
Es wird häufiger bei niedrigeren Temperaturen und mit Flüssigwaschmitteln statt mit Pulver gewaschen. Da diese keine Bleiche enthalten, entfernen sie Keime weniger zuverlässig. Besonders wichtig ist hygienisches Waschen bei Kleidungsstücken mit intensivem Hautkontakt, wie Socken und Unterwäsche. Für Oberbekleidung ist es weniger relevant – hier könnten Bakterien sogar Vorteile haben.
Könnten Sie das ausführen?
Im Alltag muss Kleidung nicht steril sein. Es wäre denkbar, dass Bakterien auf der Kleidung ganz im Sinne der Probiotik sogar einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit haben. Leider gibt es aktuell keine mir bekannten Studien dazu. Ich fände es aber spannend, das zu untersuchen. Auf unserer Haut lebt schliesslich auch eine Vielzahl an Bakterien.
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Hat grenzenlose Begeisterung für Schulterpolster, Stratocasters und Sashimi, aber nur begrenzt Nerven für schlechte Impressionen ihres Ostschweizer Dialekts.